Moor im Schuh

Die letzten Tage waren so aufregend und ausfüllend, dass wir mit dem Blog schreiben leider ein wenig in Verzug geraten sind. Wir freuen uns schon darauf, Euch von unseren Ausflügen nach Narva-Jõesuu am Sonntag und zu Helis Hof am Montag zu berichten, aber Geduld! Wir fangen erstmal mit Freitag und Samstag an.

Der Freitag ist wieder mal so ein Rödeltag. Hier und da sind noch Kleinigkeiten nachzubessern, vor allem David hat einen Mangel an Regalen im Küchenzelt festgestellt und verbringt den Tag mit dem Bau von weiteren Zeltmöbeln. Er ist an diesem Tag ausschließlich mit der Japansäge in der Hand zu sehen.

Tische, Regale, Bänke – David mit den Sägenhänden ist heute nicht zu stoppen!

Samstag morgen kommt mal wieder ein neues Auto an, darin sitzen Lionel, Anna, Selina und Clemens aus Marburg und Berlin. Die Begrüßungsfreude währt aber nur kurz, denn der Rest der Gruppe ist heute im Moor verabredet. Kaarel und Katrin holen uns ab, Kaarel sagt, er sei sich einigermaßen sicher, den besten Eingang ins Moor zu kennen. Er hatte ihn gestern schon mal gesucht, da sah es wohl alles ganz vielversprechend aus. Wir schwingen uns also hoffnungsvoll ins Auto.

An besagter Stelle angekommen, werden die ersten Hindernisse überwunden: Ein kleiner, mooriger Bach will überquert werden. “Irgendjemand kriegt heute einen Moorschuh!” prophezeiht Schnubb – und wird damit später Recht behalten. Weiter geht es durch Gestrüpp und Unterholz, und so langsam wird es immer sumpfiger. Katrin hatte gestern noch scherzhaft gefragt, ob wir große Lust hätten, im Sumpf zu versinken. Inzwischen beschleicht uns ein mulmiges Gefühl. Kaarel hingegen geht selbstbewusst voran und findet immer wieder trockene Pfade, oder auch umgestürzte Bäume, auf denen wir entlang balancieren, um breitere Bäche zu überqueren. Mit ein wenig gegenseitiger Hilfe klappt das alles!

Die Reise geht nur langsam und beschwerlich voran, es wird außerdem echt warm und die Mücken plagen uns. Aber schlussendlich lichtet sich das Unterholz und wir blicken auf eine größere Lichtung mit nur ein paar kleinen Bäumchen. Insgesamt sind wir in der letzten Dreiviertelstunde vielleicht 500 Meter voran gekommen, haben aber gefühlt drei verschiedene Klimazonen durchschritten. Von der Lichtung aus sehen wir irgendwann ein buntes Stück Plastik, das jemand an den Baum gebunden hat. Von dort aus noch eins, und noch eins, und so weiter, und nur ein paar Minuten, vielleicht eine Viertelstunde später sehen wir plötzlich wieder die Autos durch die Bäume blitzen. Das hier scheint der eigentliche Weg zu sein, obwohl auch der nicht ganz einfach zu erkennen und zu queren war. Endlich haben wir es geschafft, was für ein schönes kleines Abenteuer! Wir zählen durch, alle wieder da, niemand ist stecken geblieben. Aber kaum jemand ist ohne nassen Schuh davongekommen. Kaarel und Katrin wussten schon was sie tun, als sie heute morgen in Gummistiefeln aufgekreuzt sind. Wir essen noch im Wald ein paar Zimtschnecken, während einige Abenteuerlustige noch mal ein paar andere mögliche Eingänge ins Moor probieren, aber sie alle sind völlig zugewachsen. Es ist schon nicht ganz einfach, sich hier zurechtzufinden, selbst dann nicht, wenn man sich vorher Tipps vom pensionierten Förster geholt hat, der hier immer Pilze sammelt.

Platt aber zufrieden kehren wir wieder heim und stellen unsere Schuhe in die Sonne, die wie auf Kommando gerade wieder herauskommt. Wenig später wird Kaffee aufgetischt, auch Kaarel, Katrin und Georg kommen noch mal zum Kuchen vorbei. Wie immer gibt es Meekook, estnischen Honigkuchen.

Der Übergang zum Abendessen ist fließend. Hagen packt noch ein paar einfache estnische Lieder aus. Die hat er letzte Woche auf den Europäischen Jugendwochen zur Nachnutzung stibitzt. Dort war zufällig die estnische Volkstanzgruppe “Leigarid” zu Besuch gewesen – das ist die offizielle Tanzgruppe des Freilichtmuseums in Tallinn. Der künstlerische Anspruch wird heute etwas zurückgeschraubt, während wir eine leichte Melodie zum Zahlenlernen trällern. “1, 2, 3, 4, 5, 6, 7. Wo ist meine Liebste? Ist nicht hier, ist nicht dort, ist nach Amerika gegangen”, nur eben auf estnisch. Etwas trist, aber eingängig. Der estnische Zahlenraum bis sieben sitzt jetzt bei uns allen sicher!

Zum Abendbrot werden mal wieder Pfifferlinge gesammelt, mit denen wir unsere Kartoffelsuppe aufpeppen. Der Geruch ist so gut, dass sogar Krista abends noch zu Besuch kommt und – Glück gehabt – den letzten Teller Suppe bekommt. Kurz vor dem Schlafen gehen verabschieden wir schon wieder unsere Ersten Gäste: Schnubb und Elise wollen morgen früh die Rückreise nach Deutschland antreten und bekommen abends am Feuer noch ein kleines Andenken. Schön, dass Ihr dabei wart!

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