Wenn der Abschied naht

Gut erholt vom Wochenende und von der Motivation getrieben, alle möglichen Projekte zu Ende zu bringen, starten wir in die nächste Woche. Vor allem Tobi, der selbst am Wochenende dem Klohäuschen etwas Aufmerksamkeit geschenkt hat, ruft mit Jonas die Mission „das Klohäuschen muss fertig werden“ aus, was die beiden die restliche Woche beschäftigen wird.

Jonas steht auf einer Leiter am Klohäuschen und nimmt ein Maß

Anne findet zu unserem Erstaunen die Kraft, trotz aller Tücken weiter an den Fenstern des Haupthauses zu arbeiten. Mit wechselnder tatkräftiger Unterstützung werden noch ein paar letzte Fensterrahmen in der bekanntlich übel riechenden Prozedur von Farbe befreit und anschließend gekittet. Anne ist inzwischen als Fachkraft für diesen Teil der Fensterarbeit unverzichtbar geworden, weil niemand sonst mehr einen Überblick über die diversen, liebevoll gekneteten und sortierten Kitteimer hat, die beim Versuch entstanden sind, den halb eingetrockneten Leinölkitt wieder gebrauchsfähig zu machen. Trotz der Herausforderungen ist der fertige Fensterstapel mächtig gewachsen und wird stolz zugedeckt, um gut den Winter zu überstehen.

Ansonsten lautet überall die Devise: nichts mehr anfangen, sondern fertig werden! Überall werden angefangene Baustellen beendet und aufgeräumt. Insbesondere die gefällten Thujenstämme, die noch auf dem Hof verteilt liegen, müssen ein trockenes Winterlager finden. Dem nehmen sich zunächst Lukas und Janne an und tragen die Stämme Richtung Scheune in das neu gebaute Holzlager.

Lukas und Janne tragen einen Thujastamm

Die Aufräumerei hält uns aber nicht davon ab, am Dienstagabend beschaulich mit unseren neuen Nachbarn Kaffee zu trinken und feierlich eine zweiseitige Liste mit estnischen Liedern in Empfang zu nehmen, sortiert nach Jahrzehnt sogar. Diese erhalten wir im Austausch zu unserer Liste mit Empfehlungen deutscher Musik, die wir bei unserem letzten Besuch mit Sprachaustausch am Sonntag zusammengestellt hatten. Von Marianne Rosenberg bis Die Ärzte war alles dabei, natürlich nicht sortiert nach Jahrzehnt. Gestört wird die Idylle nur gelegentlich von einem Rallyefahrer, der schon den ganzen Tag zu Übungszwecken hier seine Runden dreht. Immerhin ist unsere mobile Sauna für das Kinoerlebnis perfekt positioniert.

Das Rallyeauto driftet in die Kurve

Petra hatte in den letzten Tagen die Mission, alle Apfelbäume auf dem Hof zu schneiden. Am Mittwoch beendet sie die letzten Arbeiten und wir malen uns auf einem Teil der Streuobstwiese unsere Zeltwiese der Zukunft aus. Zum Schluss schleppen Petra, Basti und Stefan alle Äste auf einen großen Haufen an der Waldgrenze, zumindest fast alle. Ein paar erlesene Totholzäste werden nämlich direkt mit zur nächsten Baustelle genommen. Es geht um den innenarchitektonischen Feinschliff des Klohäuschens, an dem Basti und Petra nun mit Feuereifer arbeiten.

Basti sitzt auf der Tür des Klohäuschens und gibt ihr den letzten Schliff

Es fehlen noch Türgriffe und eine Möglichkeit, die Türen von innen zu verriegeln. Griffe und Riegel werden kunstvoll aus Apfelholz gefertigt, ebenso wie Klopapierhalter und Garderobe. Auch das klassische Herz in der Tür darf nicht fehlen. Doch an beiden Türen ein Herz zu haben, wäre uns doch zu langweilig. Daher bekommt die zweite Tür ganz extravagant einen Schmetterling. Toll machen sich auch unsere improvisierten Vorhänge aus einem alten regenbogenfarbenen Kleid. Sieht modern aus!

Das fertige Klohäuschen schräg von vorn

Fast ist das Klohäuschen endlich fertig, da muss Tobi mit Entsetzen bei den letzten Hammerschlägen feststellen, dass er auch dort drinnen nicht völlig verschont bleibt von dem plötzlichen Regen, der über uns hereinbricht. Das Dach ist zu flach! Und viel Zeit bleibt nicht mehr… Nach kurzem Innehalten wird improvisiert: Er befestigt übergangsweise erstmal eine Plane auf dem Dach, um das Häuschen vorläufig zu sichern. Der Winter kann kommen, und das ist auch gut so, denn inzwischen ist Mittwoch Abend. Mit den sieben verbliebenen Menschen (Lola, Anne und Lukas haben uns leider im Laufe der Woche verlassen) sitzen wir nun um ein Lagerfeuer und verbrennen die Holzabschnitte der Klobaustelle. Inzwischen wird also sogar abends um zehn noch aufgeräumt, und seien es nur Holzreste. Leider haben wir an diesem Abend keine wärmende Jurte mehr um uns herum. Denn die haben wir im Laufe des Nachmittags nach dem Regenschauer abgebaut. Doch die Erleichterung ist groß, sie trotz des wild wechselnden estnischen Wetters trocken eingepackt zu haben.

Janne legt die Seitenplanen der Jurte zum Trocknen aus

Am Donnerstag geht es weiter mit Aufräumen. Jaan und Georg kommen mit dem Hänger vorbei und den ganzen Vormittag rennen alle umher, als würde keiner mehr merken, dass es schon wieder ohne Unterbrechung regnet. Nur in den Gesichtern ist die Sehnsucht nach etwas Sonnenschein zu sehen, der dann nachmittags auch tatsächlich kommt. Wundervollerweise sind wir schon so weit vorangekommen mit dem Aufräumen, dass sogar noch an ein letztes Bad im Fluss und einen Blogartikel zu denken ist. Außerdem besuchen wir ein letztes Mal Marju und Jaan, um Tschüss und bis nächstes Jahr zu sagen. Wir nutzen den letzten Abend auf dem Hof, um uns von Rihula und dem Fluss Kunda zu verabschieden, nicht ohne Vorfreude auf nächstes Jahr. Ideen und Pläne haben wir nämlich schon ganz viele und wir können es kaum abwarten, sie umzusetzen. Bis bald!

Eine Seitenansicht vom Stall im Sonnenschein. Der Apfelbaum steht im Vordergrund.

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